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Seehofer oder Genhofer?

Original: gebloggte welten am 18.10.2006

Jochen von word2go hat auf seiner Homepage einen offenen Brief an den Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher Horst Seehofer veröffentlicht.

Jochen weist in seinem Brief auf die Folgen der jüngsten WTO Entscheidung gegen die EU insgesamt und gegen 6 Einzelstaaten im Besonderen hin. Am 30. September entschied das WTO Panel in erster Instanz über die Klage mehrerer Staaten gegen die Europäische Union in Sachen Gentechnik Moratorium. Dieses Moratorium wurde erwarteter Maßen für unzulässig erklärt. Die klagenden Staaten sehen in diesem Moratorium eine Beschränkung des Freien Handels, nur zur Erinnerung: Der weitverbreitete Einsatz von Gentechnisch manipulierten Saatgut führte zu einem starken Verlust von Marktanteilen besonders für die US-Amerikanische Landwirtschaft. So sanken im Zeitraum von 1996 bis 2000 die US-Exporte von Mais nach Japan um 38%, nach Taiwan um 52% und in die EU um beachtliche 83%.

Desweiteren weist Jochen auf die nichtgeklärten Risiken dieser Technologie hin – Risiken sowohl für Pflanzenzucht und Landwirt aber auch den Verbraucher:

Wie Sie bereits wissen, bergen Anbau und Konsum gentechnologisch modifizierter Produkte zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu viele Risiken für die Gesundheit der Verbraucher, sowie für die Arten- und Sortenvielfalt. Erst kürzlich konnte z.B. nachgewiesen werden, dass viele gentechnisch veränderte Pflanzenarten neue, bisher gänzlich unbekannte Reihen an Histonen (Zellkernproteine) ausbilden, über deren Auswirkung auf die menschliche Gesundheit gegenwärtig noch nichts gesagt werden kann, ausser dass von Histonen bekannt ist, dass sie die Epigenese (Veränderung der DNA-Sequenz) entscheidend beeinflussen. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass große Biotechnologieunternehmen wie Monsanto, diese Ausbildung neuer Proteine während der Zulassungsverfahren wissentlich verschwiegen und unabhängige Kontrollen teilweise aktiv behindert haben.

Diese Verschleierungstaktik wird nicht nur durch Aussagen eines ehemaligen Monsanto Mitarbeiters bestätig, ein Prozeß in den USA gegen die FDA belegt die Komplizenschaft zwischen Industrie und kontrollierenden Behörden – eine Folge auch des Drehtür Prinzips zwischen Industrie und Behörden, wodurch Vertreter der Industrie in Führungspositionen der Kontrollbehörden gelangen. Isis, eine Kommentatorin zum Thema Gentechnik (bei gebloggte welten / Wachstumsschub)weist auf eben diesen Prozeß hin (Siehe unten).

Ich bitte alle BloggerkollegInnen sich den Forderungen von Jochen anzuschließen, den Artikel zu verlinken und so zu einer möglichst weiten Verbreitung beizutragen:

Herr Seehofer, machen Sie sich nicht zum Mitwisser und Mittäter einer korrupten Biotechnologiemafia! Setzen Sie ein Zeichen gegen die verlogene „Feed the world“-Kampagne der Biotechnologiefirmen und stoppen Sie Anbau und Verkauf gentechnisch veränderter Produkte. Nur ein vollständiges Verbot für Anbau und Verkauf von Genfood kann Verbrauchersicherheit und Biodiversität gewährleisten! Schieben Sie diese Verantwortung nicht an internationale Gremien ab, sondern tun Sie Ihren Job! Das ist der Wählerauftrag, der Ihnen für diese Legislaturperiode gegeben wurde. Bislang hörten wir von Ihnen nur beschwichtigende Worte und sahen ein Verhalten, das schon fast als Lobbying für die Biotechnologie angesehen werden könnte.

Es geht um die Sicherheit unserer Ernährung, Unser Täglich Brot steht zur Disposition - nicht mehr und nicht weniger. Sie, verehrter Minister Seehofer müssen entscheiden, ob Sie, Ihrem Auftrag gemäß, die Rechte des Verbrauchers und der Bauern, ganz speziell des Bäuerlichen Familien Betriebes, schützen oder ob Sie gewillt sind, diese einer anonymen Agrarindustrie auszuliefern.

Seehofer oder Genhofer – Sie haben die Wahl, die paar notwendigen Korrekturen an folgender Karikatur sind, im Falle eines Falles, schnell ausgeführt:

family-farmer.jpg

Karikatur: Institute for Agriculture and Tradepolicy (IATP). Hogreport

Der Bäuerliche Familienbetrieb:

„Die schlechte Nachricht: Er stirbt. Die gute Nachricht: Wir sind noch nicht bereit ihn endgültigt zu begraben“

Zum Prozeß gegen die FDA

Hier die von Isis übersetzte Zusammenfassung – zu wichtig um sie im Kommentarbereich verschwinden zulassen:

Ein Artikel von: (Gemeinschaft für Bio-Integrität)
Alliance for Bio-Integrity
P.O. Box 110, Iowa City, IA 52244-0110
Tel: 515-472-5554;
Fax:515-472-6431
www.biointegrity.org
Kontakt: Steven Druker, Tel. 515-472-5554, oder
Bob Roth, Tel. 515-469-5081

Zur sofortigen Veröffentlichung: 24. Juni 1999!

Gerichtsverfahren deckt Widersprüche innerhalb der FDA (Federal Drug Association) über die Sicherheit biotechnologischer Nahrungsmittel auf.

Institut widerspricht eigenen Experten bei der Bewertung von gentechnisch erzeugter Nahrung Tatsachen wurden fehlerhaft interpretiert, um die U.S.-amerikanische Biotechnologie zu fördern. Stellungnahme von Steven M. Druker Dr. Jur., Geschäftsführer der Gemeinschaft für Bio-Integrität, Koordinator und Prozeßbevollmächtigter in dem Gerichtsverfahren gegen die FDA mit dem Ziel, gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitstest- und Kennzeichnungspflicht für genetisch veränderte Nahrungsmittel durchzusetzen (in Zusammenarbeit mit der Rechtsabteilung des Zentrums für Technologiebewertung in Washington, D.C.).

Im Mai 1998 strengte eine Koalition von öffentlichen Interessengruppen aus Wissenschaft und Kirche einen richtungweisenden Prozeß gegen die U.S.- amerikanische Nahrungsmittel- und Medikamenten- Behörde FDA mit dem Z

iel an, eine gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitstest- und Kennzeichnungspflicht für gentechnisch erzeugte Nahrungsmittel durchzusetzen (Quelle: et. al. v. Shalala). Neun bedeutende Naturwissenschaftler traten dieser Koalition bei, um das Ausmaß des ihrer Ansicht nach wissenschaftlich unhaltbaren und moralisch unverantwortlichen Verhaltens der FDA zu betonen. Inzwischen bestätigen die Akten der FDA, wie begründet die Besorgnis war. Die FDA wurde angewiesen, Kopien dieser Akten (insgesamt 44.000 Seiten) den Prozeßbevollmächtigten als Beweismittel zur Verfügung zu stellen.

Falsche Behauptungen und rechtswidrige Verfahrensweisen

Die Aufzeichnungen der FDA legen offen, daß sie genetisch erzeugte Nahrungsmittel trotz des Widerspruchs ihrer eigenen Experten für sicher erklärte und gleichzeitig behauptete, es bestehe ein breiter wissenschaftlicher Konsens bezüglich dieses Standpunktes. Interne Berichte und Memoranden enthüllen: 1.Eigene Wissenschaftler warnten wiederholt davor, dass Nahrungsmittel, die mit Hilfe der rekombinanten DNA Technologie produziert wurden, im Gegensatz zu ihren konventionell erzeugten Entsprechungen verschiedene Risiken in sich bergen. 2.Diese Informationen wurden von jenen Beamten konsequent ignoriert, die für die gegenwärtigen Vorschriften verantwortlich sind, bei der biotechnologisch erzeugte Nahrung genauso behandelt wird wie natürliche Nahrung. Neben der Widerlegung der Aussage der FDA, ihre Vorgehensweise sei wissenschaftlich begründet, wird hiermit bewiesen, daß diese Institution gegen die U.S. amerikanischen Nahrungs-, Arznei- und Kosmetikgesetze verstoßen hat, indem sie gentechnisch erzeugte Nahrungsmittel ohne Versuche mit der Prämisse zugelassen hat, sie seien von qualifizierten Experten als grundsätzlich unschädlich anerkannt.

FDA Wissenschaftler protestieren gegen den Versuch, gentechnische Erzeugung der konventionellen Züchtung gleichzusetzen.

Die FDA gibt zu unter der Direktive zu handeln, die U.S. amerikanische Biotechnologie-Industrie “zu fördern”. Diese Direktive fordere die Prämisse, daß biotechnologische Nahrungsmittel grundsätzlich anderen Nahrungsmitteln gleichzusetzen sind.

Die Vorstöße der Institution, ihre Vorschriften dieser Prämisse anzupassen, stießen jedoch auf starken Widerstand ihrer eigenen Wissenschaftler, die wiederholt warnten, die gentechnische Herstellung unterscheide sich von konventioneller Erzeugung und berge in sich ein ganzes Bündel von besonderen Risiken. Z

ahlreiche Experten der Institution protestierten gegen jene Gesetzesvorlagen, die das erwiesene Potential der Biotechnologie ignorierten, nämlich in erheblich höherem Maße unerwartete Gifte und Allergene zu produzieren als konventionelle Methoden.

Nach Aussage von Dr. Louis Priybl aus der Arbeitsgruppe für Mikrobiologie der FDA: “..gibt es tiefgreifende Unterschiede bei den Erscheinungsformen unerwarteter Effekte zwischen der traditionellen Z

üchtung und der gentechnischen Erzeugung, worüber dieses Dokument nur einen Überblick verschafft.” Er fügte hinzu, daß verschiedene Aspekte der Gentechnologie “…noch erheblich schädlicher sein können.”

Dr. Linda Kahl, eine Angestellte der Zulassungsabteilung der FDA sagte aus, die Institution habe “…versucht einen quadratischen Zapfen in ein rundes Loch einzupassen… mit dem Versuch den Grundsatz durchzusetzen, es gäbe keinen Unterschied zwischen Nahrungsmitteln, die durch Gentechnologie verändert wurden und denen aus traditioneller Züchtung.” Wörtlich sagte sie: “Die Vorgänge der gentechnischen Produktion und der traditionellen Züchtung sind verschieden und führen nach Aussage der technischen Experten dieser Institution zu verschiedenen Risiken.”

Ferner bestätigte Dr. Jim Mayranski, Koordinator für Biotechnologie der FDA: Es gibt keinen Konsens über die Sicherheit gentechnisch produzierter Nahrungsmittel in der wissenschaftlichen Welt, und Wissenschaftler der FDA forderten, diese Produkte speziellen Tests, inklusive toxikologischer Untersuchungen, zu unterziehen.

Tatsachen falsch dargestellt, um die Zulassung der Nahrungsmittel zu erwirken

Trotz allem war die Motivation der FDA, die Biotechnologie zu unterstützen so groß, daß sie nicht nur die Warnungen der eigenen Wissenschaftler vor den besonderen Risiken der gentechnisch veränderten Nahrung mißachtete. Sie verwarf sie und nahm öffentlich eine gegenteilige Position ein. Ihr offizieller Standpunkt lautete: “Unserer Institution liegt keine Information vor, daß Nahrungsmittel, die mit diesen neuen Methoden erzeugt wurden, irgendwelche bedeutenden oder allgemeinen Unterschiede zu anderer Nahrung haben.” Folgerichtig verkündeten die verantwortlichen Funktionäre, diese Nahrungsmittel erforderten überhaupt keine Untersuchungen, obwohl die institutseigenen Experten forderten, gentechnisch produzierte Nahrungsmittel müßten besonderen Untersuchungen unterzogen werden.

Bundesgesetze verletzt

Abgesehen von der Verletzung grundlegender ethischer Prinzipien verletzt das Verhalten der FDA das US- amerikanische Nahrungsmittel-, Arznei- und Kosmetikgesetz. Dieses fordert, daß neue Nahrungszusätze durch Untersuchungen vor der Markteinführung zu überprüfen sind. Obwohl die FDA zugibt, daß biotechnologische Organismen unter diese Verordnung fallen, behauptet sie, diese seien nicht zu testen, da sie “allgemein als sicher anerkannt” (”generally recognized as safe” GRAS) werden. Dabei ist der FDA bekannt, daß diese sogar von ihren eigenen Wissenschaftlern nicht als sicher anerkannt werden, ganz zu schweigen von einem allgemeinen Konsens der wissenschaftlichen Welt.

Weiterhin schreibt die Verordnung vor, daß Additive, wie jene in biotechnischer Nahrung, nur auf der Grundlage von Untersuchungen als sicher bezeichnet werden können, die deren Ungefährlichkeit bewiesen haben. Derartige Untersuchungen existieren aber über gentechnisch veränderte Nahrungsmittel nicht. Die GRAS-Bestimmung, die ursprünglich gedacht war, um bereits getestete und sichere Substanzen zuzulassen, wird somit von der FDA mißbraucht, um diese Untersuchungen zu umgehen. Diese Substanzen werden hauptsächlich auf der Grundlage von Mutmaßungen zugelassen – Mutmaßungen, die in den Augen ihrer eigenen und vieler anderer Experten zweifelhaft erscheinen.

Die Konsequenz lautet: Die gesamte in den USA gentechnisch produzierte Nahrung ist illegal, sollte vom Markt genommen sowie rigorosen Sicherheitsuntersuchungen unterzogen werden. Die FDA hat eine Unmenge potentiell gefährlicher Nahrungsmittel an den amerikanischen Eßtisch gebracht und verletzt dabei in eklatanter Weise U.S.- amerikanisches Gesetz

Also nochmal: Ab zu word2go, die Aktion unterstützen – es sei denn Ihr habt Bock irgendwann auf „Soylent Green“ umzusteigen.

Dir, liebe Isis nochmals vielen Dank für den Tipp und die Übersetzung.

Body Count

Nach jedem Krieg, nach jeder Schlacht, jeder Katastrophe – Naturkatastrophe oder vom Menschen induziertes Desaster – das immer gleich Ritual: Body Count. Jetzt kommt die Stunde der Statisten, Sesselpupser und Statistiker. Menschen, Gesichter und persönliche Geschichten, werden in Gesichtslose Statistiken gepresst und analysiert. Getötete Gegner, getötete Zivilisten, oft in der ersten Kategorie versteckt, eigene Verluste, Zahlen, Relationen und Kosten je getöteten Gegner.

Wer zählt eigentlich die Opfer der Globalisierung, wer zählt die Opfer des Krieges um den grenzenlosen Markt und wer berechnet die Gewinne pro Opfer? Wie wirkt sich ein vertriebener oder erschlagener Kleinbauer in Brasilien, der damit dem Anbau von weltweit marktfähigen Produkten nicht mehr im Wege steht, auf die Verzinsung des Internationalen Kapitals aus?

An diese Marginalisierten der Globalisierung, Opfer der neoliberalen Wirtschaftsideologie, erinnerte der Protest der 700 Landlosen am 07.06.2006 in Brasilien. Che2001 hat bereits am Mittwoch auf diese Demonstration der „Boias Frias, die Kalten Töpfe, wie man sie aus gutem Grunde nennt“ hingewiesen. SPON vermerkt dazu, dass in dem Kampf um Land in Brasilien seit 1985 über 1000 Menschen ermordet wurden. Nach SPON forderten die Vertreter der Landlosenbewegung MSLT die Einhaltung der Versprechungen der Regierung Lula in Hinblick auf eine Landreform.

Bei Regierungsantritt hat Lula versprochen eine Landreform in die Wege zu leiten: Bis Ende 2006 sollten 400.000 Landlose angesiedelt werden. Lula tat damit einen Schritt in die richtige Richtung nur mit der Umsetzung des Programms hapert es, bis Ende 2005 waren maximal 120.000 Neuansiedlungen erfolgt, hochgerecht auf den angesprochenen Zeitraum wird damit noch nicht einmal die Hälfte der versprochenen Zahl erreicht.

Bei einer Zahl von fast 5 Mio. Familien ohne eigens Land nicht mehr als ein Tropfen auf einen Heißen Stein. Wird diese Bilanz um die Zahl der jährlich von ihrem Besitz vertrieben Kleinbauern korrigiert so ergibt sich in der Summe im günstigsten Fall ein Nullsummenspiel. Jährlich werden mindestens 40.000 Kleinbauern Opfer der Vertreibung durch Großgrundbesitzer, sie müssen der Ausdehnung des Anbaus von Weltmarktfähigen Produkten insbesondere Sojabohnen weichen.

Besagter Tropfen auf den Heißen Stein – einfach weggewischt von der unsichtbaren Hand des Marktes, zig Tausend Menschen vertrieben und in die absolute Armut befördert. Verschwinden von der Bildfläche – wenn sie denn je wahrgenomen wurden – und tauchen irgendwann wieder auf, zum Beispiel im Amazonasbecken, dort versuchen sie durch Brandrodung ein Stück Land zu ihrer Existenzgrundlage zumachen oder sie tauchen auf als Namenlose Insassen der modernen Lager des Neoliberalismus: Den ausufernden Elendsvierteln der großen Städte.

Das Programm von Präsident Lula ist ein Schritt in die richtige Richtung – ohne Umsetzung wird seine Präsidentschaft zur Randnotiz verkommen, ein weiterer Hoffnungsträger verbrannt. Andere machen es hoffentlich besser und konsequenter:

Viva Morales.

Siehe auch:

Wer ist hier TerroristIn? – Lateinamerika Nachrichten

Das Null-Hunger-Programm der Regierung Lula Für KoBra von Kirsten Bredenbeck, August 2005

Landless storm Brazilian Congress BBC News

Übrigens, auch die Opfer der Globalisierung werden gezählt, sie werden gezählt im Auftrag derer die sie verursachen. Sie werden gezählt, propagandistisch bearbeitet und neu zugewiesen. Verantwortlich für die Toden des Neoliberalen Wirtschaftskrieges gegen die Armen der Welt sind dann Globalisierungsgegner, Umweltbewegungen, so genante Öko-Terroristen und Öko-Imperialisten – Alle die auch gerne unter dem diffamierenden Begriff Gutmensch subsumiert werden.

Modell Kuba?

Die Gründung des Handelsbündnisses zwischen Venezuela, Bolivien und Kuba vergangene Woche und die Verstaatlichung der Öl- und Erdgasförderung in Bolivien bringen mich zu folgenden grundsätzlichen Fragen:

  • Was kann eigentlich Kuba zu dem Handelsbündnis beitragen
  • und gibt es Entwicklungen auf Kuba die speziell für Bolivien im Kampf gegen Armut, Hunger und Unterentwicklung hilfreich sein könnten.

Da ich mich seit langen mit den Perspektiven der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung befasse konzentriere ich mich bei der Erörterung der Fragen auf die Entwicklung der Kubanischen Landwirtschaft woraus sich später eine Differenzierung der grundsätzlichen Fragen ergeben wird. Da ich nicht weis inwieweit meine Leser mit der Thematik vertraut sind ein paar einführende Worte zur bisherigen Entwicklung.

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Kühe sind nicht Lila. Das wissen Sie, das weis ich und ich bin mir sicher das weis sogar Dirk Maxeiner, zumindest sind mir keine Äußerungen in diesem Sinne bekannt. Trotzdem, ein nicht unbedeutender Teil unserer Vorschulkinder sieht das völlig anders, für die Kurzen steht fest: Kühe sind Lila. Punkt.

Diese kreative Anpassung des kindlichen Weltbildes ist bedingt durch eine, zugegeben genauso gut wie sympathisch gemachte, Werbung für Schokolade, die bei kindern auf einen stets aufnahmefähigen Markt trifft. Trotz der Manipulation im Sinne der Absatzsteigerung, kann wohl davon ausgegangen werden, dass diese Werbung keine bleibenden Schäden hinterlässt, zumindest was die geistige Entwicklung unseres Nachwuchses betrifft. Eine Konfrontation mit der Realität durch Erklärung und Anschauung führen im Normalfall zum akzeptieren der Realität: Kühe sind nicht Lila, nein auch nicht Blau-Weiß ungeachtet der Tatsache, dass es eine Rasse gibt die sich so nennt: Bleu-Blanc-Belge.

Das Beispiel zeigt Einfluss, Möglichkeiten und Bedeutung von Werbung bei der Vermittlung von Inhalten und zwar ungeachtet des Wahrheitsgehaltes oder der Plausibilität der Inhalte. Wie gesagt bei der, von uns Allen geliebten Lila Kuh und vielleicht mehr noch bei, der von mir besonders geschätzten Urlaubsvertretung, dem Lila Elefanten ist kein wirklich negativer Impact auf den Einzelnen oder die Gesellschaft im Ganzen zu befürchten.

Etwas anders sieht es aus wenn das beworbene Produkt:

  1. ohne direkten Nutzen für Gesellschaft und Verbraucher ist
  2. eventuell mit Gefahren für Gesundheit oder Umwelt verbunden ist verbunden oder verbunden sein könnte
  3. keinen aufnahmefähigen Markt vorfindet, weil es vom potentielle Verbraucher aus vorgenannten Gründen abgelehnt wird
  4. mit einer vom Verbraucher abgelehnten Produktionsweise erzeugt wird.

Damit würde es sich letztendlich um ein Produkt handeln, dessen Gleichgewichtspreis, nach den immer zitierten Marktgesetzen, bei einem Wert von ca. 0 liegen dürfte, somit von der unsichtbaren Hand des Marktes schnell sichtbar in die Unsichtbarkeit befördert werden würde. Normalerweise wäre die Geschichte hier zuende, wären da nicht noch die verschiedenen Interessen der tatsächlichen oder potentielen Produzenten und Kapitalgeber, die auf Rückfluss und Verzinzung getätiger oder vielleicht möglicherweise in Zukunft getätigten Investitionen nicht verzichten möchten. Also muss ein Markt her, koste es was es wolle – solange diese kosten von Anderen getragen werden.

Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist die Vermarktung der Gentechnik, wobei diese noch aufs Engste mit der Durchsetzung eines Grenzenlosen Marktes verknüpft ist, zunehmend entsteht der Eindruck, dass das Neo-Liberale / Neo-Conservative Weltbild mit der Durchsetzung der Gentechnik steht oder fällt.

Die folgenden Ausführungen zur Durchsetzung von Interessen im Bereich Agrarindustrie und Biotechnologie (besonders Gentechnik, insofern wäre mir der Begriff Bioengineering lieber) basieren auf einem faszinierenden Text der Kanadischen Wissenschaftlerin E. Ann Clark zur Veränderung und Missbrauch der (akademischen) Sprache im Dienste eben dieser Interessen. Ann Clark:

Academics generally take pride in making effective, articulate, well-reasoned arguments. Skill in both written and oral expression reflects an in-depth understanding of the nuances of thelanguage of choice. Increasingly, however, language is being misused by some academics, intentionally and overtly, to achieve goals at variance with those of academia.

I speak of the encroachment into academia of a genre of discourse which I will call‘doublespeak’, a term which will be explained below. Evidence of the widespread adoption of doublespeak as standard policy by industry and government will provide a foundation for more detailed coverage of its adoption by some professors, and more alarmingly, by students undertheir guidance.

Der Hinweis auf die derzeitige Studenschaft, Absolventen und junge Wissenschaftler scheint mir von besonderer Bedeutung, in der Welt der Weblogs gibt es genügend Anschauungsmaterial – sowohl von Lernenden wie auch von Lehrenden. Beispiele von Artikeln und Kommentaren die diese Elementeder Sprachmanipulation enthalten werde ich anderer Stelle noch zitieren, Beispiele die ein Ahnung davon vermitteln, wie der Einfluss dieser „Neuen Sprache“ auf die Bildung die zukünftige Gesellschaft als Ganzes formen wird.

I focus specifically on the students, because their involvement illustrates theprogressive, pervasive infiltration of the values of the proponents of doublespeak into Canadian universities. The values borne by these doublespeak apprentices will influence not simply the future professoriate, but the place of academia in society in general. — Industry and Academic Biotechnology: teaching students the art of Doublespeak By E. Ann Clark, Plant Agriculture, University of Guelph (Anmerkungen zum Copyright siehe unten)

Der Begriff Doublespeak geht auf die Begriffe Newspeak und Doublethink in George Orwells 1984 zurück, nach E. Ann Clark ergibt sich der Begriff Doublespeak durch Kombination der Elemente beider Begriffe:

The term ‘doublespeak’, as used in this paper, draws inspiration from the terms Newspeak and Doublethink coined in Orwell’s chillingly prescient novel, 1984.

Newspeak is intended to replace conventional English (Oldspeak), by allowing only words that pertain to proper thoughts. Screening the dictionary regularly to eliminate undesirable words – words which might have unorthodox meanings – was expected to control thought itself.

Doublethink is an ideology of acceptance of intentional and perpetual fabrication. Everything is subject to continual revision and reinterpretation by the Ministry of Truth, inculcating the citizenry to acknowledge contradiction as a normal part of life.

Doublespeak. The new term doublespeak combines these two terms, as:

Doublespeak: expression intended to deceive, to mislead, and to control, using not simply words but orchestrated strategies of contradiction. (E. Ann Carter 2002)

Die Umsetzung der Interessen mittels angepasster Sprache mit Hilfe von Public Relation, hier müssen auch die diversen Think Tanks mit einbezogen werden, wird als bekannt vorrausgesetzt, ich verweise nur ganz allgemein auf das Bestreben der Kontrolle von Öffentlicher Meinung (Zugang zu Informationen) aber auch Regierung und Administration durch Interessen zur Maximierung des eigenen Nutzens.

Hinreichend bekannt sein dürfte der Fall Monsanto gegen Percy Schmeiser, einem Kanadischen Raps Farmer, der von Mansanto beschuldigt wurde die Patente der Firma Monsanto zu verletzen. Zwei von Monsanto angeheuerte PR Spezialisten versuchten die Kontrolle über den Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen dadurch zu erreichen, dass sie unter anderem:

  • Pressegespräche in den Verhandlungspausen führten und die jeweilige Monsanto Version verbreiteten
  • die Version des Hauptzeugen von Monsanto direkt nach der Aussage aber vor dem Kreuzverhör veröffentlichte

E. Ann Carter führt die heutige Form des Doublespeak in wesentlichen Teilen auf den Neffen von Sigmund Freud und Vater der PR, Edward Bernays, zurück:

Much of the art of contemporary doublespeak traces back to Edward Bernays [..] reportedly, a man of enormous ego and incessant self-promotion. Among his many lasting contributions was a book published in 1928, unabashedly entitled Propaganda. A quote gives both the flavor of the man and the foundational assumption of the contemporary doublespeak industry:

“The conscious and intelligent manipulation of the organized habits and opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country…” (cited from Rampton and Stauber, 2002)

carter-tab1.pngSchematische Darstellung zweier Kampagnen als Beispiele der Unsetzung, eine Edward Bernays selbst und eine aus unserer Zeit (click2enlarge)

Das Timberland Debakel

Das folgende Beispiel gibt einen sehr guten Überblick über die Gesamtmaßnahmen der PR Firma Shandwick New Zealand zur Umsetzung und Wahrung der Interessen des Auftragsgebers Timberlands West Coast Ltd. (Hager and Burton, 1999). In diesem konkreten Fall handelt es sich um ein Forstwirtschaftliches Unternehmen, im Besitz der neuseeländischen Regierung und verantwortlich für den Einschlag alter Waldbestände an der Westküste der Südinsel Neuseelands. Da dieser Einschlag von Umweltaktivisten bekämpft wurde, entwickelte die PR Firma ein angepasstes Instrumentarium zur Brechung des Widerstandes. Einblick in vertrauliche Dokumente ermöglichten eine exakte Dokumentation dieser Maßnahmen der sich über 8 Jahre erstreckenden Kampagne (Vergl.: E. Ann Carter 2002):

Summary of the documented doublespeak tactics employed by Shandwick on behalf of Timberlands in an 8-year anti-environmentalist campaign (adapted from Hager and Burton, 1999)

  1. attempt to discredit and marginalise opponents publicly, using specific value-laden words such as ecoterrorist, misinformation, and extremist
  2. send ‘moles’ to attend conservation group meetings to source information/discredit them
  3. photograph and videotape participants in anti-logging protests, and track, monitor, and respond to every letter to the editor, public comment, or innuendo; always ‘have the last word’
  4. threaten protesters with legal action (analogous to SLAPPs* used in the US)
  5. seek to identify financial weaknesses in critics and undermine sources of funding
  6. screen journalists writing unfavorable articles and apply pressure/complain to editors; provide lavish opportunities for site visits to sympathetic journalists and politicians
  7. write school principals whose students were involved in a protest, threatening legal action
  8. pressure an environmentalist academic/complain to vice-chancellor of her university; provide modest funding to other academics, then employ them for credibility (see Third Party Technique, below)
  9. create a front group, to appear to represent community interests; fund a range of community activities, especially sporting events, to generate public support
  10. ghost-write letters to the editor, to be signed by local residents
  11. exaggerate statistics on logging and employment
  12. physically destroy a treetop protest site by helicopter, to intimidate protestors
  13. repeatedly remove protester graffiti, each time it reappears
  14. divide and conquer environmental groups/misrepresent importance of those sympathetic to the cause

Lösen wir uns von dem konkreten Fall so können wir diese Vorgehensweise auf allen Ebenen und zu allen Projekten mit negativem Impact feststellen. Begriffe wie Ökoterrorist oder auch Ökoimperialismus können Sie auch hier in Klein-Bloggersdorf finden. Das Diskreditieren des Gegenübers durch Verwendung von emotional aufgeladenen Begriffen ist z.B. eine Spezialität von Maxeiner & Miersch (Die Welt, achgut.de) und auch der Journalisten aus dem Hause Thomas Deichmann (NOVO). Nur als Beispiele:

  • Hungern mit Hipp
  • Gutmenschentum nach Gutsherrenart. Auch dafür steht Herr Hipp mit seinem Namen.
  • Stichwort Golden Rice: 50.000 Kinder könnten jährlich vor dem Erblinden gerettet werden wenn.. (=Kindermörder),
  • mit den Methoden von Herrn Hipp wären bereits in den 70ern Millionen von Menschen verhungert… (=Genozid),
  • der ominöse Sack mit Saatgut der in einen Atomreaktor abgestellt wird um Mutationen zu erzeugen … (=Instrumentalisierung der Angst vor radioaktiver Strahlung) und viele mehr.

Das Bedenkliche in meinen Augen ist, dass man diese hanebüchenen Aussagen dann unreflektiert im Kommentarbereich vorfindet, zum Beispiel HIER und weitere Beispiele werde ich entsprechend der Obenstehenden Liste noch aufzeigen, Punkt für Punkt soweit sie nicht durch die weiteren Artikel zu diesem Text von Ann Carter abgedeckt werden.

Der nächste Artikel befasst sich mit der Third Party Technique: “to put your words in someone else’ mouth”

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*Strategic Lawsuits Against Public Participation

E. Ann Clark. 2002. Industry and Academic Biotechnology: teaching students the art of Doublespeak Plant Agriculture, University of Guelph

Hager, N. and B. Burton. 1999. Secrets and Lies. The Anatomy of an Anti-Environmental PR Campaign. Common Courage Press, Monroe, ME 288 pp

Rampton, S. and J. Stauber. 2001. Trust Us, We’re Experts. Jeremy Tarcher/Penguin Putnam Inc. 360 pp.

Essen ist nicht Alles

Vergleich der aktuellen Ernährungssituation in drei, mit Bedacht ausgewählten, Lateinamerikanischen Ländern. (Quelle: FAO):

Ernährungssituation der Bevölkerung auf Kuba:

cuba.jpg

in der Dominikanischen Republik:

dominican-rep.jpg

und der Bevölkerung Boliviens um deren Wohlergehen sich mittlerweile so ziemlich alle Neoliberalen sorgen:

bolivia.png

Natürlich ist auch das nur ein Aspekt allerdings ein äußerst wichtiger: Food First. Sicher ist Essen nicht Alles aber eine gesicherte Ernährung ist Grundlage jeder weiteren Entwicklung und Verhungert ist Alles Nichts.

green-cuba.jpg

Gründe für die Aufregung im Zusammenhang mit der jüngsten Entwicklung in Bolivien? Zumindest nicht völlig von der Hand zuweisen, in den Bereichen Landwirtschaft, Bildung und Medizin hat Kuba eindrucksvolle Leistungen vorzuweisen und könnte somit zum Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung in den Entwicklungsländern werden.

Ab Montag an dieser Stelle: Wege in die Zukunft – Kubas Grüne Revolution.

Bild: The Greening of the Revolution: Cuba’s experiment with organic agriculture by Peter Rosset and Medea Benjamin, published by Ocean Press. Produced by FOOD FIRST.

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