Kommentar im Rahmen meiner kleinen Reihe „Unser Täglich Brot …“
Ausgangspunkt ist ein Artikel von Dirk Maxeiner 31.01.2006 (achgut.de) Titel: Hungern mit Hipp. Maxeiner geht in seinem Artikel auf ein Interview mit dem Babykost-Hersteller Claus Hipp ein.
(„Keiner lässt sich zweimal beschwindeln“ Die Welt vom 31.01.2006)
Ganz klassisch beginnt Dirk Maxeiner mit einer kurzen Einführung in die Thematik, an erster Stelle erfährt der Leser, dass es sich bei Claus Hipp um eine „Vorzeigefigur der Biokost-Branche“ handelt, weil er, kaum zuglauben, „… Produkte aus dem Ökolandbau verwendet.“ Bevor dies Faktum richtig verarbeitet ist, folgt ein Schnellkurs in den Bereichen Argumentation und Beweisführung und zwar in einer genialen Kombination:
Es gibt zwar keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Ökokost für den Menschen gesünder ist als konventionelle Ware, (Anm: Kann man so sehen, muss man aber nicht)
diese Behauptung wird von Maxeiner belegt mit der Unterstellung:
das braucht es aber auch nicht, weil der ökologistische Glaube allemal stärker ist als irgendwelche Fakten.
Alles klar? Es folgt ein kleines Lob, es soll ja kein Mitleidseffekt aufkommen, indem die Cleverness des Unternehmers hervorgehoben wird, der es schafft basierend auf der Naivität der Gläubigen ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Das darf aber so nicht stehen bleiben also folgt jetzt der Schlenker zum praktizierenden Katholiken Hipp:
Fragwürdig wird die Haltung des bekennenden Katholiken nur, wenn er mit Greenpeace-Parolen gegen die grüne Gentechnik zu Felde zieht.
Da hat Hipp ja richtig Glück, dass er dafür nicht gleich auf den Scheiterhaufen muss, nur weil er sich standhaft weigert Gottes Job zu übernehmen. Die Greenpeace Parolen hab ich im verarbeiteten Interview nicht gefunden nur was heißt das heute schon? Spätestens zu diesem Zeitpunkt weis der geübte „Achse des Guten“ Leser: Hipp ist nicht nur ein Spinner, nein er ist auch keiner von den Guten, das kann nur ein Gutmensch sein.
Eigentlich müsste hier Schluss sein, Behauptungen, Unterstellungen und Diffamierungen oder wie möchte Herr Maxeiner den Titel „Hungern mit Hipp“ verstanden wissen? Klingt wie „Ökolandwirtschaft = Völkermord“ nur eben hipper, man weis halt was man der Leserschaft schuldig ist.
Also weiter im Text. Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich dem Interview (so mehr oder weniger):
Frage des Interviewers „Was ist Ihr Problem mit genveränderten Lebensmitteln?“
Antwort von Claus Hipp: „Es gibt viele Gründe: Die Folgen sind nicht abzuschätzen, konventionelle Pflanzen können beeinflusst werden. Wir brauchen gentechnisch veränderte Produkte nicht, um große Mengen herzustellen…. Außerdem ist es historisch gesehen völlig absurd: In den vergangenen 150 Jahren hat der Mensch dramatische Veränderungen im Boden verursacht, die den Pflanzen Probleme bereiten. Doch statt den Boden in den natürlichen Zustand zurückzuversetzen, verändert man nun die Pflanzen, damit sie mit den Veränderungen im Boden zurechtkommen. Das ist doch der völlig falsche Weg.“
Kann man so sehen , muss man aber nicht, allerdings die Belehrung durch M. bringt einen auch nicht weiter:
„Was der gute Mann verschweigt: Alleine in den letzten 50 Jahren kamen rund drei Milliarden Menschen zur Erdbevölkerung hinzu.“
Hipp gibt keine Antwort auf eine Nichtgestellte Frage, wo liegt das Problem Herr Maxeiner? Die Tatsache, dass die Erdbevölkerung in den letzten 50 Jahren um 3 Mrd. Menschen gewachsen ist dürfte mittlerweile Allgemeinwissen darstellen und ich gehe davon aus, dass dies der Grund für Ihren Kollegen war diese Frage nicht zustellen, woraus sich dann zwangsläufig die Nichtbeantwortung ergibt.
„Die „grüne Revolution“ der 60er-Jahre mit ihren neuen Pflanzensorten, intensiven Anbaumethoden und gewaltigen Ertragssteigerungen verhinderte, dass viele davon verhungerten.“
Kann man so sehen, muss man aber nicht, es ergibt sich nur das kleine Problem, dass diese „Grüne Revolution“ kein Ergebnis der Gentechnik war, nur zur Erinnerung: „… Wir brauchen gentechnisch veränderte Produkte nicht, um große Mengen herzustellen…“ so lautete die Aussage von Claus Hipp. Kein Wort gegen Züchtung und Fortschritt, der Fortschritt der „Grünen Revolution“ war aber in erster Linie ein Erfolg der Pflanzenzüchtung. Die neuen Sorten bedingten, zur Nutzung des genetischen Potentials eine Steigerung des Mineraldünger- und Pestizideinsatzes. Nichts anderes stellt Claus Hipp fest wenn er sagt:
„…. Außerdem ist es historisch gesehen völlig absurd: In den vergangenen 150 Jahren hat der Mensch dramatische Veränderungen im Boden verursacht, die den Pflanzen Probleme bereiten.“
Der Leser störe sich bitte nicht an der Differenz der Zeitspannen, die „Grüne Revolution“ war ein Sprung, fiel aber nicht vom Himmel, sie war lediglich die konsequente Fortführung der Züchtung und Intensivierung der Landwirtschaft. Die beginnt spätestens mit der Sesshaftwerdung der Menschen. Die Abkehr von der traditionellen Dreifelderwirtschaft markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der Agrarwirtschaft, die dadurch ermöglichte Besömmerung des Brachflächenanteils z.B. mit Hackfrüchten, Ölsaaten aber auch Klee und Luzerne führte zu einer Intensivierung nicht nur des Ackerbaus sondern auch der Viehzucht was wiederum eine positive Auswirkung auf die Pflanzenproduktion hatte. Erst durch den exzessiven Einsatz von Mineraldünger, der Reduzierung der kultivierten Früchte und dem damit zwangsweise notwendigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wurden die von Claus Hipp angesprochene Bodendegradierung forciert (und zwar als Folge des Fortschritts):
„Doch statt den Boden in den natürlichen Zustand zurückzuversetzen, verändert man nun die Pflanzen, damit sie mit den Veränderungen im Boden zurechtkommen. Das ist doch der völlig falsche Weg.“
Den Rest kann ich mir sparen (zu kommentieren) es kommt nichts wesentlich Neues nach, Hoffnungsträger Gentechnik dadurch Verhinderung des Todes Hunderttausender Kinder (dürfen nicht fehlen), Behauptungen ohne Belege – wir sind die Gute – und dann das Finale über die Mütter der armen Länder der Welt (War da nicht was mit Nestle – kann nicht sein sind auch Gute) zum:
„Gutmenschentum nach Gutsherrenart. Auch dafür steht Herr Hipp mit seinem Namen.“
Danke Herr Maxeiner, klar qualifiziert für den HOHLE NUSS AWARD. Kategorie: Freies Denken – völlig frei von Hirn.
*prust* Schön gemacht! Es ist immer wieder herrlich, wie dieses doppelte Renegatenpack M&M seine blöden Verarschetouren versucht, an den Mann zu bringen. Bei der WELT klappt das ja auch, aber die Leser dieses Blattes sind m.E. eh verblödet.
Sauber abgefertigt! Kann das mal irgendjemand in eine Printzeitung packen, bitte?
@ beide
Das macht mich ganz verlegen. Danke schön.
balou
Nun, den Nachweis, dass Öko besser ist als Konventionell, den haben Sie auch nicht gebracht, sondern nur schwadroniert.
Und: Wissen Sie eigentlich, dass herkömmliches Saatgut (auch für den Öko-Landbau) in Atommeilern beschossen wird und dadurch unnatürliche Genmutationen enstehen, die wir seit Jahrzehnten essen? Was ist das anderes als Gentechnik. Das Besondere ist nur, das Gentechnikprodukte extrem getestet werden müssen, hingegen die Öko-Samen nach Beschuss mit Radioaktivität nicht getestet werden, sondern einfach ausgesät werden können.
Meine Güte, was Sie und ich so alles essen… Aber böse Gentechnik. Ja, ja.
Sehr geehrter Herr Schmidt,
Viele Danke für Ihren Kommentar. Hier nun meine Erwiderung:
Nun, den Nachweis, dass Öko besser ist als Konventionell, den haben Sie auch nicht gebracht, sondern nur schwadroniert.
Nein den Beleg, dass Öko besser ist als Konventionell, habe ich nicht erbracht, da ich dieses nicht behauptet habe sah ich dazu auch keine Veranlassung. Dagegen stellt Maxeiner Behauptungen auf ohne jeden Beleg, lediglich umnebelt mit dem was Sie mir vorhalten: „schwadronieren“. Sehen Sie dieses nicht als persönlichen Angriff, nur muss noch mal festgestellt werde, dass ein Journalist der behauptet, dass:
befindet sich m.E. in einer Bringschuld. Nicht ich muss belegen dass ER (Maxeiner) Unrecht hat, sondern ER muss SEINE Behauptung belegen, besonders in anbetracht der Schwere der Vorwürfe und da helfen auch die weiteren Quellenverweise von Herrn Maxeiner nicht weiter.
Und: Wissen Sie eigentlich, dass herkömmliches Saatgut (auch für den Öko-Landbau) in Atommeilern beschossen wird und dadurch unnatürliche Genmutationen entstehen, die wir seit Jahrzehnten essen? Was ist das anderes als Gentechnik.
Ja, auch mir ist bekannt, dass versucht wurde und versucht wird Mutationen künstlich auszulösen. Wobei durchaus auch Ergebnisse erzielt wurden, wie z.B. dadurch dass die Erste Teilung des Keimes verhindert wurde und man auf diese Weise eine Verdopplung des Chromosomensatzes erhält. Aus einer Diploiden Sorte wird dann eine Tetraploide Sorte. Erreichen wird dieses z.B. durch den Einsatz von Colchizin, welches die Zellteilung verhindert und auch die Bestrahlung von Saatgut ist mir nicht unbekannt. Ich gehe davon aus, dass die Bestrahlung von Saatgut in der Produktion von Öko Saatgut nicht angewandt wird, möchte allerdings ihre Behauptung nicht durch eine von mir nicht aktuell verifizierbare Gegenbehauptung konterkarieren. Gestatten Sie mir bitte dieses bis zum Montag zu verschieben.
Das Besondere ist nur, das Gentechnikprodukte extrem getestet werden müssen, hingegen die Öko-Samen nach Beschuss mit Radioaktivität nicht getestet werden, sondern einfach ausgesät werden können.
Die von Ihnen angesprochenen ausführlichen Tests im Bereich der Gentechnik sind ja wohl das Minimum an Sicherheit die der Verbraucher erwarten darf. Allerdings sind hier doch auch Zweifel angebracht, ich verweise, nur als Beispiel, auf die Pannen bei der Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorte T 25 in Groß Britannien.
Nein auch dieses Beispiel ist kein Beleg für ein generelles Versagen im Bereich der Kontrolle, sondern lediglich ein Indiz für angebrachte Zweifel.
Keine neue Sorte wird einfach ausgesät, egal ob gentechnisch verändert oder ökologisch erzeugt, erst erfolgt eine Testserie im Saatzuchtbetrieb, danach, wenn das Produkt den Erwartungen entspricht erfolgt eine Vermehrung auf Vermehrungsbetrieben und erst dann gelangt das Saatgut in den Handel. Ein Prozess der sich über mehrere Jahre erstreckt.
Meine Güte, was Sie und ich so alles essen… Aber böse Gentechnik. Ja, ja.
Ja, ich lehne die Gentechnik ab, Hauptgrund sind für mich die Unübersehbarkeit der Folgen. Der Anbieter muss belegen, dass sein Produkt keine negativen Folgen verursacht und in diesem spricht ja auch Nichts gegen eine volle Haftugsübernahme durch Hersteller und Verwender – ohne wenn und aber.
Für mich ist dieses keine Glaubensfrage wohl hat es mit Erfahrungen und Einsichten zutun – ein sehr persönliche Angelegenheit.
Nochmals vielen dank für Ihre Anmerkungen. Mit freundlichen Grüßen
balou
Sehr geehrter Herr Schmidt,
hier die Ergänzung zur Erwiderung vom 04.02.2006
Verwendung von nicht nach dem Verfahren des ökologischen Landbaus erzeugtem Saatgut oder Pflanzkartoffeln
Die Mitgliedstaaten können gemäß dem in Artikel 5 festgelegten Verfahren die Verwendung von nicht nach dem Verfahren des ökologischen Landbaus erzeugtem Saatgut oder Pflanzkartoffeln genehmigen, vorausgesetzt, das Saatgut oder die Pflanzkartoffeln wurden
Verordnung (EG) Nr. 1452/2003 der Kommission vom 14. August 2003 zur Beibehaltung der Ausnahmeregelung gemäß Artikel 6 Absatz 3 Buchstabe a) der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des Rates für bestimmte Arten von Saatgut und vegetativem Vermehrungsmaterial und zur Festlegung von Verfahrensvorschriften und Kriterien für diese Ausnahmeregelung
Sehen Sie mir nach, dass ich es mir relativ einfach mache, die oben angeführte Verordnung hat den hat den Vorteil, dass sie auch die Ausnahme, Einsatz von konventionellem Saatgut, einschließt.
Sollten Sie sich daran stören, dass die Behandlung mit ionisierenden Strahlen nicht extra aufgeführt ist so liegt das daran, dass es sich dabei, wie Sie richtig bemerkten, um „Gentechnik“ handelt.
Sollten Sie sich für die Thematik interessieren empfehle ich zunächst einen Blich auf die entsprechenden Verordnungen zuwerfen. Ich weis, das ist Knochenarbeit und ich kann es niemand verdenken wenn er dazu keine Lust – ich selbst habe im Moment auch keine Muse mich mit Tonnen von EU Papieren auseinander zusetzen.
Etwas schneller gehts über einen Diskussionsbeitrag:
Pflanzenzüchtung für den Ökologischen Landbau
unter: http://www.naturland.de/n3/seite3_6.html
oder über die Anbaurichtlinien der Verbände (z.B. Bioland, Demeter etc.)
Schönen Tag Balou
Zitat: „Die neuen Sorten bedingten, zur Nutzung des genetischen Potentials eine Steigerung des Mineraldünger- und Pestizideinsatzes. “ Mann redst du eine Sch***.
@Tobias
Vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Vermute Sie werden Verständnis dafür haben, wenn ich ihn einfach unkommentiert stehen lasse.
Toller Beitrag und sehr gut argumentiert!
Nicht ärgern lassen, balou. Alexander Schmidt ist als pöbelnde Flachzange der „libertären“ Gosse hinlänglich bekannt und es würde mich nicht wundern, wenn er seinen JuLi „Tobias“ für die weiteren Anfeindungen benutzt hat, weil man ab einem gewissen Intelligenzdefizit als schuldunfähig gilt
Weißt Du, woran Du merkst, dass Du genau richtig liegst? Wenn Du von solchen Pappnasen nichts weiter als hohle Phrasen (hohler Nüsse?) und Beleidigungen erhältst. Insofern gilt: Sieh es als „Prädikat“, wenn solche Gesinnungskrüppel meinen sich bei Dir auskotzen zu müssen
MfG
Daniel
weißt Du Daniel, solchen Leuten gebe ich normalerweise folgenden Rat:
„Kauft Euch ein Pferd, dann habt Ihr beim nächsten IQ-Test die Chance 75 Punkte zu erreichen – vorausgesetzt Ihr haltet die Klappe und lasst den Gaul das machen“
Danke für die Vorlage, musste einfach gesagt werden.
Gruß balou
[...] Lösen wir uns von dem konkreten Fall so können wir diese Vorgehensweise auf allen Ebenen und zu allen Projekten mit negativem Impact feststellen. Begriffe wie Ökoterrorist oder auch Ökoimperialismus können Sie auch hier in Klein-Bloggersdorf finden. Das Diskreditieren des Gegenübers durch Verwendung von emotional aufgeladenen Begriffen ist z.B. eine Spezialität von Maxeiner & Miersch (Die Welt und achgut.de) und auch der Journalisten aus dem Hause Thomas Deichmann (NOVO). Nur als Beispiele: [...]