Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren in unseren Feldfluren Bäume und Ackerkulturen, Weiden und Wiesen untrennbar miteinander verbunden. Als Beispiele seien hier lediglich die, für weite Teile Süddeutschlands typischen, Streuobstwiesen und die Kombination von Bäumen speziell Eichen in der spanischen Estremadura angeführt. Im Zuge einer ständig steigenden Intensivierung der Landwirtschaft verschwanden zunehmen die Bäumen von den Äckern und den Wiesen. Flurbereinigung und die damit verbundene Entstehung großer Schläge verbannten zunehmend auch die Baum- und Buschstreifen aus den Gemarkungen. Der Baum wurde quasi in den Wald deportiert. Folge sind die allseits bekannten ausgeräumten Feldfluren und die an maximalem Holzertrag ausgerichteten Waldmonokulturen. Alles im Sinne einer Optimierung der Erträge aus der Nutzung des Bodens. Dieses könnte sich zumindest innerhalb der Europäischen Union in der Zukunft wieder ändern und zwar zum Nutzen der Landwirte, der Verbraucher, der Erholungssuchenden und auch der Natur.
SAFE – Silvoarable Agroforestry For Europe
SAFE ist ein, im Jahre 1999 initiiertes und 2005 abgeschlossenes, Forschungsprogramm der EU, das sich mit der Möglichkeit der Kombination Einjähriger Ackerkulturen und Mehrjährigen Baumkulturen auseinander setzte. Die Forschungen wurden unter der wissenschaftlichen Leitung des INRA Montpellier und der Universität Wagenigen durchgeführt. Acht europäische Länder waren an diesem Projekt beteiligt und der Abschlussbericht wurde zum Ende des letzten Jahres vorgelegt.
Zu finden unter: Annual Reports (en / fr). Hier befinden sich auch weitere Berichte und Zwischenberichte aus den vergangenen Jahren. Die Berichte sind sehr umfangreich und mit entsprechenden Tabellen, Grafiken und Bildmaterial versehen, deswegen leider sehr große PDF Dateien. Zum Einstieg in die Thematik, man muss ja nicht jedes Detail wissen, eignet sich ein zusammenfassender Bericht: Magazin of European Research – N° 43 – November 2004 – Kulturen UND Bäume (Deutsch / English / Francais ). Im Folgenden ein Überblick.
Ergebnisse und Perspektiven
Eiche und Weizen in Spanien (a und b), Pappel mit Gerste in GB (c), Walnuss und Pappel mit Weizen in Frankreich (d und e), Walnuss und Luzerne in Italien (f)
Oak with wheat in Spain (a and b), poplar with barley in the UK (c), walnut and poplar with wheat in France (d and e) and walnut with alfalfa (f) in Italy.
Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass sich durch dieses System erhebliche Mehrerträge von bis zu 30% realisieren lassen. Die Produktion eines Hektars mit einer Mischung aus Pappeln und Weizen entspricht der Produktion einer in zwei Parzellen aufgeteilten Fläche von 1,3 ha (0,9 ha Weizen und 0,4 ha Pappeln). Natürlich unter der Voraussetzung, dass für die Bäume (hier 20 Jahre für die Pappeln) ein kompletter Zyklus einkalkuliert wird und die Bäume nicht so dicht stehen wie in den traditionellen Pappelpflanzungen, damit die Weizenkultur bis zur Baumernte zufrieden stellende Erträge liefert. Erklärbar wird dieses durch Synergien dies sich bei der Kombination von Ackerkultur und Bäumen aus der gemeinsamen Nutzung der gemeinsamen Nutzung des Lichts, des Wassers und der im Boden enthaltenen Nährstoffe ergeben.
“Der Wettkampf mit der Kultur zwingt den Baum auf natürliche Weise, sich tiefer zu verwurzeln”, erklärt Christian Dupraz, Forscher am INRA (Institut National de la Recherche Agronomique) von Montpellier (FR) und Koordinator von SAFE. “Die Bäume bilden schließlich ein Wurzelnetz, das unter den oberflächlichen Bodenschichten, auf denen sich die Kulturen ausbreiten, verläuft. So können sie das Wasser und die Nährstoffe, die den Kulturen entgehen, zurückgewinnen – und das erklärt im Wesentlichen die Produktionssteigerung aus forstwirtschaftlicher Sicht. Das Wachstum jedes Baums wird, verglichen mit einer ausschließlich mit Bäumen bepflanzten Parzelle, ebenfalls beschleunigt, da die Bäume nicht so dicht gedrängt stehen und auch nicht miteinander konkurrieren. Im Übrigen schützen sie die Kulturen: Sie brechen den Wind und schwächen übermäßige Regenfälle oder zu starken Sonnenschein ab.”
Die sich für den Landwirt in der Anfangsphase ergebenden Mindereinnahmen lassen sich nach Wirtschaftsanalysen im Rahmen von SAFE auf weniger als 5 % seines Einkommens beschränken. Auf lange Sicht wird dieses Opfer durch ein erhebliches Sparkapital an Holz, das seine Tätigkeit diversifiziert, jedoch mehr als wettgemacht. Es ergeben sich sehr viele Kombinationsmöglichkeiten je nach lokalen Begebenheiten. Empfohlen werden mit hohem Mehrwert wie z.B. Speierlinge, Birnbäume, Kirschbäume, Ahornbäume, Nussbäume usw., die sehr gefragtes Nutzholz liefern. Dieses ist von Bedeutung für den eines Tages notwendigen Ersatz von Tropenhölzern, hoffentlich bevor die Urwälder der Tropen aber auch der Kalten Zonen (Karelien, Taiga) endgültig zu Pressplatten und Faxpapier zerschreddert wurden.
Darüber hinaus helfen die Bäume und ihre Wurzeln, da sie das Eindringen von Wasser in den Boden begünstigen, die Erosion zu bekämpfen. Sie tragen dazu bei, Überschwemmungen zu verhüten, indem sie das Oberflächenwasser auffangen, das die Flüsse anschwellen lässt, und tragen zu einer geringeren Wasserverschmutzung durch landwirtschaftliche Düngemittel bei. Nicht zuletzt fixieren die Bäume in der Agrarforstwirtschaft eine nicht unerhebliche Menge an Kohlenstoff in ihrem Holz, aber auch im Boden, der in der Tiefe durch die kontinuierliche Zersetzung ihrer feinen Wurzeln jahraus, jahrein mit organischen Stoffen angereichert wird.
Bereits nach wenigen Jahren wurde eine Zunahme der Biodiversität festgestellt. Zunehmend wandern Nützlinge in die neu geschaffenen Lebensräume eine, allerdings könnte diese auf lange sicht auch zur Einwanderungen von Schädlingen führen. Insgesamt ist dieser Prozess als positiv zu bewerten.
Die Agrarforstwirtschaft entspricht dem allgemeinen Wunsch nach einer vielseitigeren, nicht nur auf stetige Produktivitätssteigerung ausgerichteten Landwirtschaft, die weniger abhängig ist von Düngemitteln, Herbiziden, Insektiziden und anderen chemischen Einträgen. “Was mir an diesem Forschungsweg gefällt, ist die Tatsache, dass er uns dazu bringt, die Qualität der von der Natur selbst erfundenen Methoden zu analysieren”, schließt Christian Dupraz. “Wenn Sie sich die Flächen von Dutzenden oder gar Hunderten von Hektaren mit reinen Kulturen betrachten, mit den gleichen Genomen, die sich bis ins Unendliche wiederholen, dann sehen Sie genau das Gegenteil dessen, was die Natur tut. Wir hingegen versuchen, die Logik des natürlichen, diversifizierten Ökosystems wieder in das landwirtschaftliche Anbausystem einzuführen. Dies ist eine Möglichkeit, es stabiler und autonomer zu machen, umweltfreundlicher und – es klingt paradox, doch zu diesem Ergebnis sind wir gelangt – produktiver.”
(Back to nature
… Agroforestry is rooted in the general desire for a less one-dimensional and productivist agriculture, one that is less dependent on fertilisers, weed killers, insecticides and other chemical products. “What I like about this line of research,” concludes Christian Dupraz, “is that it leads us to analyse the quality of the models invented by nature itself. When you look at dozens (or even hundreds) of hectares given over to a single crop, with the same genomes infinitely repeated, you are contemplating the exact opposite of what nature produces. What we are trying to do is to reintroduce the logic of the naturally diversified ecosystem into the cultivated agrosystem. It is a way of making it more stable and autonomous, less aggressive for the environment and – paradoxically – more productive.” ) – let’s do it!
Nach Angaben in einem Bericht zum Projekt “… sind zwar nicht alle Regionen für Mischanbausysteme ge¬eignet. Eine Studie innerhalb des SAFE-Projektes ergab jedoch, dass sich in Europa etwa 90 Millionen ha Ackerflächen für die Integration von Bäumen eignen würden. Davon sind etwa 63 Millionen ha mit diversen Umweltproblemen behaftet, die durch Agroforstwirtschaft gelöst werden könnten.” (Agrarforstwirtschaft in Mitteleuropa von Burkhard Kayser, Martina Mayus, Georg Eysel-Zahl)
Die Lösung aller kommenden Probleme in der Landwirtschaft? Nein, natürlich nicht, aber ein Schritt in die richtige Richtung:
- Stabilisierung bzw. Steigerung der Produktion
- Schutz der knappen Ressource Boden vor Degradation und Erosion
- Erhaltung der Biodiversität
- Ersatz von Holzimporten und dadurch Beitrag zum Erhalt weltweit bedrohter Ökosysteme
- Positive Auswirkung auf den Erhalt Agrarforstwirtschaftlicher Produktionssysteme weltweit. Im Gegensatz zu den industrialisierten Gesellschaften sind diese im Rest der Welt durchaus üblich (z.B. Sri Lanka ca. 90%)
Den Anspruch eine komplette Lösung für die kommenden Ernährungsprobleme zu liefern vertritt lediglich die Gentech-Industrie ohne auch nur den Hauch eines Beleges geliefert zu haben, die unqualifizierten Äußerungen des Konvertiten Duos Maxeiner & Miersch werden dieses auch nicht ändern. das führt halt ab und an dazu, dass ein pubertierender Jünger der Beiden hier seine Pickel ausdrückt aber ohne Relevanz und Substanz.
SAFE – Homepage (en/fr): SAFE – Silvoarable Agroforestry For Europe
Weitere Informationen:
Agroforstsysteme ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Option für die Landwirtschaft
Bundnis 90 – Die Grünen – June 2005
Weizen unter bäumen
Flur und furche – May 2005
Agroforstwirtschaft in Mitteleuropa
Lebendige Erde – March 2005
Pappel hilft Gerste
Berliner Zeitung n°26- February 2005
Alleen of dem Acker
Der SPIEGEL – December 2004
AGRARFORSCHUNG : Kulturen UND Bäume
RDT Info n° 43 – November 2004
Möglichkeiten und Grenzen der Agroforstwirtschaft in Europa page2 page3
Schriftenreihe der FAL – pages 19 to 22 – Januar 2004
Vom Acker zum Park
Hamburger Abendbatt – June 2003
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Wheat under the trees
The furrow – Summer 2005
AGRICULTURAL RESEARCH : A growing concern
RDT Info n° 43 – November 2004
More yield per field
Green futures n° 47 – July/August 2004
Trees may change farm landscape
The Guardian – April 24 2004
