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Agri-Kultur im Fadenkreuz der Globalisierung

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Seehofer oder Genhofer?

Oktober 18, 2006 von balou

Original: gebloggte welten am 18.10.2006

Jochen von word2go hat auf seiner Homepage einen offenen Brief an den Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher Horst Seehofer veröffentlicht.

Jochen weist in seinem Brief auf die Folgen der jüngsten WTO Entscheidung gegen die EU insgesamt und gegen 6 Einzelstaaten im Besonderen hin. Am 30. September entschied das WTO Panel in erster Instanz über die Klage mehrerer Staaten gegen die Europäische Union in Sachen Gentechnik Moratorium. Dieses Moratorium wurde erwarteter Maßen für unzulässig erklärt. Die klagenden Staaten sehen in diesem Moratorium eine Beschränkung des Freien Handels, nur zur Erinnerung: Der weitverbreitete Einsatz von Gentechnisch manipulierten Saatgut führte zu einem starken Verlust von Marktanteilen besonders für die US-Amerikanische Landwirtschaft. So sanken im Zeitraum von 1996 bis 2000 die US-Exporte von Mais nach Japan um 38%, nach Taiwan um 52% und in die EU um beachtliche 83%.

Desweiteren weist Jochen auf die nichtgeklärten Risiken dieser Technologie hin – Risiken sowohl für Pflanzenzucht und Landwirt aber auch den Verbraucher:

Wie Sie bereits wissen, bergen Anbau und Konsum gentechnologisch modifizierter Produkte zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu viele Risiken für die Gesundheit der Verbraucher, sowie für die Arten- und Sortenvielfalt. Erst kürzlich konnte z.B. nachgewiesen werden, dass viele gentechnisch veränderte Pflanzenarten neue, bisher gänzlich unbekannte Reihen an Histonen (Zellkernproteine) ausbilden, über deren Auswirkung auf die menschliche Gesundheit gegenwärtig noch nichts gesagt werden kann, ausser dass von Histonen bekannt ist, dass sie die Epigenese (Veränderung der DNA-Sequenz) entscheidend beeinflussen. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass große Biotechnologieunternehmen wie Monsanto, diese Ausbildung neuer Proteine während der Zulassungsverfahren wissentlich verschwiegen und unabhängige Kontrollen teilweise aktiv behindert haben.

Diese Verschleierungstaktik wird nicht nur durch Aussagen eines ehemaligen Monsanto Mitarbeiters bestätig, ein Prozeß in den USA gegen die FDA belegt die Komplizenschaft zwischen Industrie und kontrollierenden Behörden – eine Folge auch des Drehtür Prinzips zwischen Industrie und Behörden, wodurch Vertreter der Industrie in Führungspositionen der Kontrollbehörden gelangen. Isis, eine Kommentatorin zum Thema Gentechnik (bei gebloggte welten / Wachstumsschub)weist auf eben diesen Prozeß hin (Siehe unten).

Ich bitte alle BloggerkollegInnen sich den Forderungen von Jochen anzuschließen, den Artikel zu verlinken und so zu einer möglichst weiten Verbreitung beizutragen:

Herr Seehofer, machen Sie sich nicht zum Mitwisser und Mittäter einer korrupten Biotechnologiemafia! Setzen Sie ein Zeichen gegen die verlogene „Feed the world“-Kampagne der Biotechnologiefirmen und stoppen Sie Anbau und Verkauf gentechnisch veränderter Produkte. Nur ein vollständiges Verbot für Anbau und Verkauf von Genfood kann Verbrauchersicherheit und Biodiversität gewährleisten! Schieben Sie diese Verantwortung nicht an internationale Gremien ab, sondern tun Sie Ihren Job! Das ist der Wählerauftrag, der Ihnen für diese Legislaturperiode gegeben wurde. Bislang hörten wir von Ihnen nur beschwichtigende Worte und sahen ein Verhalten, das schon fast als Lobbying für die Biotechnologie angesehen werden könnte.

Es geht um die Sicherheit unserer Ernährung, Unser Täglich Brot steht zur Disposition - nicht mehr und nicht weniger. Sie, verehrter Minister Seehofer müssen entscheiden, ob Sie, Ihrem Auftrag gemäß, die Rechte des Verbrauchers und der Bauern, ganz speziell des Bäuerlichen Familien Betriebes, schützen oder ob Sie gewillt sind, diese einer anonymen Agrarindustrie auszuliefern.

Seehofer oder Genhofer – Sie haben die Wahl, die paar notwendigen Korrekturen an folgender Karikatur sind, im Falle eines Falles, schnell ausgeführt:

family-farmer.jpg

Karikatur: Institute for Agriculture and Tradepolicy (IATP). Hogreport

Der Bäuerliche Familienbetrieb:

„Die schlechte Nachricht: Er stirbt. Die gute Nachricht: Wir sind noch nicht bereit ihn endgültigt zu begraben“

Zum Prozeß gegen die FDA

Hier die von Isis übersetzte Zusammenfassung – zu wichtig um sie im Kommentarbereich verschwinden zulassen:

Ein Artikel von: (Gemeinschaft für Bio-Integrität)
Alliance for Bio-Integrity
P.O. Box 110, Iowa City, IA 52244-0110
Tel: 515-472-5554;
Fax:515-472-6431
www.biointegrity.org
Kontakt: Steven Druker, Tel. 515-472-5554, oder
Bob Roth, Tel. 515-469-5081

Zur sofortigen Veröffentlichung: 24. Juni 1999!

Gerichtsverfahren deckt Widersprüche innerhalb der FDA (Federal Drug Association) über die Sicherheit biotechnologischer Nahrungsmittel auf.

Institut widerspricht eigenen Experten bei der Bewertung von gentechnisch erzeugter Nahrung Tatsachen wurden fehlerhaft interpretiert, um die U.S.-amerikanische Biotechnologie zu fördern. Stellungnahme von Steven M. Druker Dr. Jur., Geschäftsführer der Gemeinschaft für Bio-Integrität, Koordinator und Prozeßbevollmächtigter in dem Gerichtsverfahren gegen die FDA mit dem Ziel, gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitstest- und Kennzeichnungspflicht für genetisch veränderte Nahrungsmittel durchzusetzen (in Zusammenarbeit mit der Rechtsabteilung des Zentrums für Technologiebewertung in Washington, D.C.).

Im Mai 1998 strengte eine Koalition von öffentlichen Interessengruppen aus Wissenschaft und Kirche einen richtungweisenden Prozeß gegen die U.S.- amerikanische Nahrungsmittel- und Medikamenten- Behörde FDA mit dem Z

iel an, eine gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitstest- und Kennzeichnungspflicht für gentechnisch erzeugte Nahrungsmittel durchzusetzen (Quelle: et. al. v. Shalala). Neun bedeutende Naturwissenschaftler traten dieser Koalition bei, um das Ausmaß des ihrer Ansicht nach wissenschaftlich unhaltbaren und moralisch unverantwortlichen Verhaltens der FDA zu betonen. Inzwischen bestätigen die Akten der FDA, wie begründet die Besorgnis war. Die FDA wurde angewiesen, Kopien dieser Akten (insgesamt 44.000 Seiten) den Prozeßbevollmächtigten als Beweismittel zur Verfügung zu stellen.

Falsche Behauptungen und rechtswidrige Verfahrensweisen

Die Aufzeichnungen der FDA legen offen, daß sie genetisch erzeugte Nahrungsmittel trotz des Widerspruchs ihrer eigenen Experten für sicher erklärte und gleichzeitig behauptete, es bestehe ein breiter wissenschaftlicher Konsens bezüglich dieses Standpunktes. Interne Berichte und Memoranden enthüllen: 1.Eigene Wissenschaftler warnten wiederholt davor, dass Nahrungsmittel, die mit Hilfe der rekombinanten DNA Technologie produziert wurden, im Gegensatz zu ihren konventionell erzeugten Entsprechungen verschiedene Risiken in sich bergen. 2.Diese Informationen wurden von jenen Beamten konsequent ignoriert, die für die gegenwärtigen Vorschriften verantwortlich sind, bei der biotechnologisch erzeugte Nahrung genauso behandelt wird wie natürliche Nahrung. Neben der Widerlegung der Aussage der FDA, ihre Vorgehensweise sei wissenschaftlich begründet, wird hiermit bewiesen, daß diese Institution gegen die U.S. amerikanischen Nahrungs-, Arznei- und Kosmetikgesetze verstoßen hat, indem sie gentechnisch erzeugte Nahrungsmittel ohne Versuche mit der Prämisse zugelassen hat, sie seien von qualifizierten Experten als grundsätzlich unschädlich anerkannt.

FDA Wissenschaftler protestieren gegen den Versuch, gentechnische Erzeugung der konventionellen Züchtung gleichzusetzen.

Die FDA gibt zu unter der Direktive zu handeln, die U.S. amerikanische Biotechnologie-Industrie “zu fördern”. Diese Direktive fordere die Prämisse, daß biotechnologische Nahrungsmittel grundsätzlich anderen Nahrungsmitteln gleichzusetzen sind.

Die Vorstöße der Institution, ihre Vorschriften dieser Prämisse anzupassen, stießen jedoch auf starken Widerstand ihrer eigenen Wissenschaftler, die wiederholt warnten, die gentechnische Herstellung unterscheide sich von konventioneller Erzeugung und berge in sich ein ganzes Bündel von besonderen Risiken. Z

ahlreiche Experten der Institution protestierten gegen jene Gesetzesvorlagen, die das erwiesene Potential der Biotechnologie ignorierten, nämlich in erheblich höherem Maße unerwartete Gifte und Allergene zu produzieren als konventionelle Methoden.

Nach Aussage von Dr. Louis Priybl aus der Arbeitsgruppe für Mikrobiologie der FDA: “..gibt es tiefgreifende Unterschiede bei den Erscheinungsformen unerwarteter Effekte zwischen der traditionellen Z

üchtung und der gentechnischen Erzeugung, worüber dieses Dokument nur einen Überblick verschafft.” Er fügte hinzu, daß verschiedene Aspekte der Gentechnologie “…noch erheblich schädlicher sein können.”

Dr. Linda Kahl, eine Angestellte der Zulassungsabteilung der FDA sagte aus, die Institution habe “…versucht einen quadratischen Zapfen in ein rundes Loch einzupassen… mit dem Versuch den Grundsatz durchzusetzen, es gäbe keinen Unterschied zwischen Nahrungsmitteln, die durch Gentechnologie verändert wurden und denen aus traditioneller Züchtung.” Wörtlich sagte sie: “Die Vorgänge der gentechnischen Produktion und der traditionellen Züchtung sind verschieden und führen nach Aussage der technischen Experten dieser Institution zu verschiedenen Risiken.”

Ferner bestätigte Dr. Jim Mayranski, Koordinator für Biotechnologie der FDA: Es gibt keinen Konsens über die Sicherheit gentechnisch produzierter Nahrungsmittel in der wissenschaftlichen Welt, und Wissenschaftler der FDA forderten, diese Produkte speziellen Tests, inklusive toxikologischer Untersuchungen, zu unterziehen.

Tatsachen falsch dargestellt, um die Zulassung der Nahrungsmittel zu erwirken

Trotz allem war die Motivation der FDA, die Biotechnologie zu unterstützen so groß, daß sie nicht nur die Warnungen der eigenen Wissenschaftler vor den besonderen Risiken der gentechnisch veränderten Nahrung mißachtete. Sie verwarf sie und nahm öffentlich eine gegenteilige Position ein. Ihr offizieller Standpunkt lautete: “Unserer Institution liegt keine Information vor, daß Nahrungsmittel, die mit diesen neuen Methoden erzeugt wurden, irgendwelche bedeutenden oder allgemeinen Unterschiede zu anderer Nahrung haben.” Folgerichtig verkündeten die verantwortlichen Funktionäre, diese Nahrungsmittel erforderten überhaupt keine Untersuchungen, obwohl die institutseigenen Experten forderten, gentechnisch produzierte Nahrungsmittel müßten besonderen Untersuchungen unterzogen werden.

Bundesgesetze verletzt

Abgesehen von der Verletzung grundlegender ethischer Prinzipien verletzt das Verhalten der FDA das US- amerikanische Nahrungsmittel-, Arznei- und Kosmetikgesetz. Dieses fordert, daß neue Nahrungszusätze durch Untersuchungen vor der Markteinführung zu überprüfen sind. Obwohl die FDA zugibt, daß biotechnologische Organismen unter diese Verordnung fallen, behauptet sie, diese seien nicht zu testen, da sie “allgemein als sicher anerkannt” (”generally recognized as safe” GRAS) werden. Dabei ist der FDA bekannt, daß diese sogar von ihren eigenen Wissenschaftlern nicht als sicher anerkannt werden, ganz zu schweigen von einem allgemeinen Konsens der wissenschaftlichen Welt.

Weiterhin schreibt die Verordnung vor, daß Additive, wie jene in biotechnischer Nahrung, nur auf der Grundlage von Untersuchungen als sicher bezeichnet werden können, die deren Ungefährlichkeit bewiesen haben. Derartige Untersuchungen existieren aber über gentechnisch veränderte Nahrungsmittel nicht. Die GRAS-Bestimmung, die ursprünglich gedacht war, um bereits getestete und sichere Substanzen zuzulassen, wird somit von der FDA mißbraucht, um diese Untersuchungen zu umgehen. Diese Substanzen werden hauptsächlich auf der Grundlage von Mutmaßungen zugelassen – Mutmaßungen, die in den Augen ihrer eigenen und vieler anderer Experten zweifelhaft erscheinen.

Die Konsequenz lautet: Die gesamte in den USA gentechnisch produzierte Nahrung ist illegal, sollte vom Markt genommen sowie rigorosen Sicherheitsuntersuchungen unterzogen werden. Die FDA hat eine Unmenge potentiell gefährlicher Nahrungsmittel an den amerikanischen Eßtisch gebracht und verletzt dabei in eklatanter Weise U.S.- amerikanisches Gesetz

Also nochmal: Ab zu word2go, die Aktion unterstützen – es sei denn Ihr habt Bock irgendwann auf „Soylent Green“ umzusteigen.

Dir, liebe Isis nochmals vielen Dank für den Tipp und die Übersetzung.

Veröffentlicht in (Keine) Gentechnik, Gesellschaft, Interessen, Landwirtschaft, gentech, Ökologie | Noch keine Kommentare

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